Komädchen auf Tour in Nordfriesland

Nach langer Zeit konnten wir endlich einmal wieder eine Saisonabschlussfahrt für die B- und C-Komädchen anbieten. Unsere Reise vom 1. bis 3. Juli ging zum MTV Leck in Nordfriesland, wo wir am Rande der Trainingsplätze unser Zeltlager aufschlagen durften.

Es war eher Zufall, dass wir Kontakt zum MTV Leck bekamen. Eigentlich hatte sich das Trainer-/Betreuer-Team nach dem Verbleib der Mädchen von Rot-Weiß Niebüll umsehen wollen. Leider gibt es den Fußball für Mädchen dort nicht mehr. Doch in unmittelbarer Nachbarschaft liegt die Stadt Leck, einst die kleine Schwester von Niebüll, heute so etwas wie der große Bruder – so haben wir es zumindest an diesem Wochenende gelernt. Und da ist auch der Mädchenfußball zuhause.

Schnell war Kontakt zu Britta Satzky geknüpft, die den Mädchenfußball in Leck betreut. Und da die Mannschaften dort im hohen Norden oft sehr weite Strecken zurücklegen müssen, um zum nächsten Gegner zu gelangen, war sie sofort erfreut, von unserer Anfrage nach einem Fußball-Wochenende bei ihnen vor Ort zu hören.

Da Trainer Toto ohnehin des Öfteren an Leck vorbeikommt, wurde bereits im Januar ein Besichtigungstermin vereinbart. Allerdings hatte der MTV damals gerade Sorgen, denn eine ganze Baumreihe war durch einen Wintersturm zerlegt worden und die Beseitigung hatte Teile der Trainingsplätze arg in Mitleidenschaft gezogen. Spuren davon waren auch noch bei unserem Wochenendausflug noch zu sehen. Doch Totos Begeisterung kannte von Beginn an keine Grenzen. „Ein großartiges Gelände haben die da, ein richtig tolles Stadion nebst Hallen und Umkleiden vom Feinsten. Da wirst du als Kometer schon ein wenig neidisch. Und das Clubhaus hat den Charme des alten St.-Pauli-Clubhauses am Millerntor. Da müssen wir hin!“

Und wir fuhren hin! B-Komädchen-Betreuer Jan und die Betreuerin der C-Komädchen Nathalie schalteten etwa ab Ende Januar in den Ausfahrt-Modus und sammelten und verteilten von da an wöchentlich, später sogar täglich Infos sowie Ideen. Im finalen Endspurt wurde B-Komädchen-Papa Arne zu einer ganz großen Hilfe, und auch vor Ort wären wir ohne seine Power wohl aufgeschmissen gewesen.

Denn die Tour sollte so einige Überraschungen für uns bereithalten …

Mit dem Gefühl, an alles gedacht zu haben, empfing die Betreuungsgang die Komädchen am frühen Freitagnachmittag am Clubhaus. Der Vormittag war regnerisch gewesen, doch inzwischen zeigte sich sogar die Sonne. Wir kamen für unsere Verhältnisse recht pünktlich los, und die Fahrt verlief reibungslos. Wie geplant schlugen wir gegen 18 Uhr beim MTV Leck auf und wurden, welch Namens Zufall, von Jan, dem Trainer der Lecker C-Mädchen in Empfang genommen. Mit großem Vertrauen und grandioser Gastfreundlichkeit händigte er uns die Schlüssel aus und erklärte uns, wo was zu finden und zu nutzen war.

Wir begannen, unsere Zeltstadt aufzubauen, wie einst in Mönchengladbach, mit dem sogenannten zentralen Marktplatz in der Mitte inklusive zweier Pavillons, Tischen und Bänken und dem Grill. Dabei half uns insbesondere Komädchen-Papa Jonas, dem wir an dieser Stelle herzlich danken. Etwas abseits entstand die Kaffee-Station, – reichlich würde das heiße Getränk fließen –, nebst Möglichkeit, das Handy aufzuladen. Es dauerte nicht lang, da rief ein Stimmchen: „Tootoo, woo sind die Bäällee???“

Wir erlebten einen entspannten Grillabend, die Komädchen „hingen ab“, spielten Ball, erkundeten den Ort und die Stadt und verschwanden ganz von selbst vor Mitternacht fröhlich in ihren Zelten, denn alle wussten, morgen hätten wir etwas Großartiges vor.

So hüpften wir am nächsten Tag gegen halb acht aus den Schlafsäcken und fielen über die Frühstücksbrötchen her, die „unser“ Jan am frühen Morgen besorgt hatte. Viele nahmen sich noch das eine oder andere Brötchen als Proviant mit für den Tag, da es noch einmal auf Reisen gehen sollte. Wir wollten gerade los, da mussten wir feststellen, dass ein Komädchen krank geworden war. Es würde fast den ganzen Tag über im Zelt bleiben müssen, Betreuer Jan blieb bei ihm. Angesichts dieses Schrecks hatten wir ein wenig die Zeit aus Augen verloren und mussten uns nun sputen, zur Bushaltestelle zu kommen. Aber nicht allein in Hamburg sind die Busse mitunter unpünktlich; FSJler Nico verkündete nach Befragung seines Smartphones, dass mit mindestens zehn Minuten Verspätung zu rechnen wäre. Es wurden schließlich zwanzig. Und wir befürchteten zunehmend, unsere Bahn in Niebüll nicht zu erwischen, zumal der Bus einen Bogen über Klixbüll macht, bevor er nach Niebüll fährt – an und für sich nachvollziehbar, weil er so dem Verkehr zum Sylt-Shuttle aus dem Weg geht.
Der Busfahrer machte zunächst einen erschrockenen Eindruck angesichts der Menge an Kunden. Als er aber vernahm, wer wir sind, wohin wir wollten und was wir vorhatten, zögerte er nicht lange und gab sein Bestes bzw. holte alles aus seinem Gefährt heraus, was es zu bieten hatte (und ignorierte letztlich sogar eine rote Ampel). Wir erreichten die Bahn auf den Punkt.

„Wollt Ihr Euch das mit der Bus- und Bahnfahrt wirklich antun?“, hatte der Jan aus Leck uns tags zuvor noch gefragt. Aber die Bahn war nicht übermäßig voll, die meisten von uns konnten sogar einen Sitzplatz ergattern. Und schwupp – schon trudelten wir in Westerland auf Sylt ein. Natürlich ging´s erst einmal ab zum Strand, wo wir einen Treffpunkt sowie zwei, drei Regeln vereinbarten, bevor alle ausschwärmten. In dem Wissen, dass wir uns auf sie verlassen können, eroberten die Mädchen, von denen manche erst zwölf Jahre alt sind, die „Hauptstadt“ der Insel.

Was die Mädchen da so erlebt haben, wissen wir natürlich nicht. Aber da sie weder einen Feuerwehr- noch einen Polizeieinsatz verursacht haben, erwies sich unser Vertrauen als vollkommen gerechtfertigt.

Die Betreuer-Gang verharrte am Strand, weil immer wieder mal jemand ins Wasser gehen wollte. An Schwimmen war allerdings nicht zu denken, da die Brise ordentlich, die Brandung heftig und die seitliche Unterströmung gefährlich war bzw. ist. Die beiden Rettungsschwimmer in der sehr klein gehaltenen Badezone ließen niemanden aus dem Auge, standen die vollen sechs Stunden, in denen wir da waren, am Ufer – und wir Trainer und Betreuer daneben. (Einmal hatte Toto eine kleine Schrecksekunde, als er nur fünf Mädchen zählte, wo es doch sechs hätten sein müssen; … es klärte sich.)

Das Wasser war übrigens mit 18 Grad eher warm. Trotzdem machten wir uns irgendwann Sorgen um die Gesundheit der badenden Mädels. Und zugleich war es zumindest für mich, Toto, das schönste Erlebnis des Wochenendes. Ihr könnt Euch nicht vorstellen, mit welcher Begeisterung sich unser kleines syrisches Flüchtlingsmädchen noch mal und noch mal und noch mal in die Wellen warf. Dabei wäre die kleine Syrerin beinahe gar nicht mitgekommen, Nathalie hatte sie mit Engelszungen überreden müssen. Nach über zwei Stunden im Wasser baten wir sie dann aber doch, herauszukommen und sich erst mal aufzuwärmen. Dabei sah sie so glücklich aus, dass auch uns ganz warm ums Herz wurde.

Kommen wir zur musikalischen Unterhaltung unseres Ausflugs. Die Typen im Zug, die sich offensichtlich bei der Anreise zum Schlagermove nach Hamburg verirrt hatten, nisteten sich glücklicherweise auf der Promenade ein und wurden vertrieben, als in der Musikmuschel das Super-Senioren-Gedudel losging – Gott sei Dank stand der Wind günstig … Dann doch lieber die Tröten der Rettungsschwimmer, die wirklich jeden unvorsichtigen Badegast antuteten. Das erinnert mich an Fietes Tröte; die gibt es noch, und vielleicht sollte ich die einfach mal wieder hervorholen. Damit wurden früher bei Trainingslagern die Komädchen morgens aus den Federn getrieben.

Der Tag auf Sylt war richtig super, auch wenn einige sich einen Sonnenbrand eingefangen hatten. Da hätten wir Trainer und Betreuer wohl etwas besser aufpassen müssen. Wobei – wenn sich fünf von dreiunddreißig davonmogeln, dann müssen sie mit ihrem Glühwürmchen-Dasein leben … So ist sie, die Freiheit!

Aber der Rückweg, der Rückweg … Er begann so friedlich. Im weichen Sand. Dann aber meinten einige Komädchen eine entdeckte Abkürzung nehmen zu müssen, andere hatten es noch eiliger, während andere sich genötigt fühlten, zunächst den Sand aus den Schuhen zu entfernen, im Sitzen … Es war nicht eben eine leichte Sache, die Gruppe zusammenzuhalten.

Neu gesammelt bahnten wir uns den Weg vorbei an all den Menschen, die sehen und gesehen werden wollten. Bei einem Punk, der mitten in der Friedrichsstraße eine Show abzog mit Riesen-Seifenblasen, blieben die Komädchen stehen und sahen dem Spektakel zu. Nathalie machte ein Foto, als plötzlich der Typ auf sie losging – sauer, dass sie ihm keinen Taler in den Hut geworfen hatte – und ihr Handy verlangte, weil er nicht fotografiert werden wollte. „Ganz Blankenese“ half bei der Deeskalation.

Nach diesem Schreck nun aber los! Der Bahnhof war nicht mehr weit, nichts wie hin da! Aber Pech: unser Zug fiel aus. Mit dem nächsten würden wir unseren Bus, der ja nur alle zwei Stunden fährt, noch knapp erwischen.

Wir kriegten ihn auch. Allerdings war er voll bis Oberkante Oberlippe. Irgendwie bekamen wir es hin, dass Yuri, Nathalie und Arne, die uns durch den Tag begleitet hatten, noch mitfahren durften, damit anschließend ein Shuttle Service eingerichtet werde könnte. Jan, der ja bei unserer Kranken im Zeltlager geblieben war, wurde beauftragt, mit seinem Leihbus schon mal die Fährte aufzunehmen – die Fährte nach den 31 Komädchen, die zusammen mit unserem FSJler Nico und Toto in Niebüll gestrandet waren. „Sag nie Niebüll, sag Naibel, da will ich bleibl …“ Aber nein, bleiben wollten wir nicht!

Was wir in Niebüll natürlich nicht mitbekommen hatten, war, dass der Busfahrer das genaue Gegenteil von jenem am Morgen war. An der nächsten Station wollte er einen Fahrgast nicht mitnehmen, obwohl gerade Leute ausgestiegen waren und damit wieder ein wenig Platz geschaffen wurde. Erst die Proteste im Bus verhalfen dem Wartenden zur Mitfahrt.

Da wir ja vor Ort in Leck nicht ausreichend Autos zur Verfügung hatten, mussten wir schließlich dreimal die Tour zurücklegen, um alle wieder einzusammeln. Inzwischen war auch Komädchen-Mama Kerstin mit Nachzüglern aufgeschlagen; sie blieb dankenswerterweise für die restliche Zeit zur Unterstützung Nathalies. Und großartigerweise übernahm auch Kerstin eine Rückholtour.
Für die Gestrandeten hieß es aber erstmal warten. Und Warten beflügelt bekanntlich die Fantasie und man kommt so auf Ideen … Also, so wirklich langweilig war das Warten nicht. Die Mädchen wussten sich zu beschäftigen. Und der Bahnhofskiosk in Niebüll hatte auch noch auf … Doch irgendwann wurde es dann doch öde. Nachdem die drei verbliebenen Komädchen sowie Nico und Toto den zwei Stunden später eintreffenden (leeren) Bus aus Niebüll gesichtet hatten, kam dann schließlich auch unser heißersehntes Taxi mit Fahrer Jan um die Ecke gebogen.

Endlich „zuhause“ wartete eine super Pizza auf uns, die unser Jan organisiert hatte, und die wir uns schmecken ließen. Und noch eine Überraschung erwartete uns – die Mädchen aus Leck kamen zu Besuch. Nach einem kurzen Austausch verbrachten die „Kinnies“ den Rest des Abends mit Fußballspielen, erst gegeneinander und später dann in gemischten Gruppen miteinander. Klasse!

Gegen halb zwölf beschlossen die Komädchen, dass es genug und der Tag lang genug gewesen sei. Und auch die Betreuer zogen sich zurück; keine Stunde später waren alle in ihren Zelten verschwunden.

Für den nächsten Morgen hatten wir uns mit Leck zum Fußball verabredet – zu um 10 Uhr, aber die Leckerinnen sahen das genauso wenig eng wie wir … Die Letzten von uns schafften es gerade einmal zur verabredeten Zeit aus dem Zelt, und bis es mit dem Fußballspiel beginnen sollte, war noch Zeit.

Als es dann aber losging, war es spannenderweise so, dass die Jüngeren von Leck unsere Mädchen ganz schön geärgert haben. Die Mädels aus Leck waren echt super. Andererseits hieß das Finale: Komädchen gegen Komädchen. Es konnten halt nur zwei Teams von vier ins in die Endrunde kommen. Derweil baute Britta eine Torschuss-Speed-Anlage auf. Nico schoss alles in Grund und Boden, konnte es aber verkraften, dass an diesem Tag allein die Mädchen bewertet wurden. Unsere Komädchen konnten in allen Altersklassen den Sieg davontragen und hatten dabei jede Menge Spaß.

Dann war Resteessen und großes Aufräumen angesagt, bis wir gegen 15 Uhr die Heimreise antraten und zwei Stunden später alle sicher am Dockenhuden ankamen.

Unser großer Dank gilt allen Eltern, die mitgeholfen haben, uns ein so schönes Wochenende zu ermöglichen. Und im August steht mit genau derselben Gruppe schon das nächste Event an – das Trainingslager in Krusa/Dänemark.

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